Menschen, Ideen, Hardware – in der Reihenfolge. Benjamin Wittorf

Nicht nur bloß reagieren, sondern mehr schaffen

Die meisten von uns bewegen sich in einem von Paul Graham als Manager’s Schedule bezeichneten Zeitplan: In der Regel verbringen wir unseren Tag damit, auf den Bedarf und die Forderungen anderer einzugehen und sie zu beantworten.

Gerade im Geschäftsalltag basiert das meiste, das wir tun müssen, auf Schadensbegrenzung. Jemand hat eine Frage, wir beantworten sie. Jemand hat ein Problem, wir lösen es. Es gibt allerdings eine andere Art von Zeitplan, der für gewöhnlich unter kreativen Menschen zu finden ist, und besser zu uns allen passen würde: der Maker’s Schedule.

Er basiert darauf, proaktiv zu sein, und nicht bloß zu reagieren. In ihm wird das, was wir (er-)schaffen müssen, allem vorangestellt, und die Schadensbegrenzung folgt anschließend; er priorisiert individuelle, kreative Arbeit. Es ist nur zu verständlich, warum Programmierer, Schriftsteller und Künstler den Maker’s Schedule so bevorzugen.

Denn das Problem ist, dass wir dazu neigen, wichtige Dinge bei Seite zu schieben und uns stattdessen um die Dinge kümmern, die uns dringend erscheinen. Mit den Kindern zu spielen wird weniger wichtig, wenn das Haus in Flammen steht, klar. Allerdings ist unsere Schwelle für Dringlichkeit viel zu gering. Ins Fitnessstudio zu gehen rückt aus dem Fokus, wenn eine E-Mail-Benachrichtigung eintrifft.

Aus dringenden Dingen wichtige Dinge zu machen scheint die nahe liegende Lösung zu sein, nur sind dringende Dinge — wie den Brand zu löschen — und die wichtigen Dinge — dem Lebenstraum zu folgen — zwei Paar Schuhe. Wichtige Dinge werden niemals so gefühlt wie dringende Dinge, weil es immer andere wichtige Dinge gibt.

Der „Trick“ besteht darin, die dringenden Dinge zu verbannen, die nicht zu den wichtigen Dingen beitragen. Den Brand zu löschen muss ganz oben auf der Liste stehen, weil es recht schwer ist, wichtige Dinge zu erledigen, wenn du tot bist, selbstredend. Auf jede E-Mail am besten sofort zu antworten gehört allerdings die meiste Zeit eben nicht oben auf diese Liste.

Es gibt allerdings keine Lösung für dieses Problem, die allen hilft: Jeder Mensch muss diese Balance für sich selbst finden. Und vielleicht ist auch der Mittelweg der richtige für dich.