Menschen, Ideen, Hardware – in der Reihenfolge. Benjamin Wittorf

Das Problem zeigt sich in Details

Die Liebe zum Detail ist nicht nur ein Indikator für Kompetenz und Selbstvertrauen1 und ein wichtiger Bestandteil von Marketing. Sie ist eine Frage unseres Selbstanspruchs und wie dieser sich als roter Faden durch unser Schaffen zieht2, aber auch eine Aussage darüber, wie aufmerksam wir uns Details an anderer Stelle widmen, und was wir auch für andere als wichtig erachten.

Deshalb lässt die Liebe zum Detail recht gute Rückschlüsse auf uns und andere ziehen — und sich als Hinweis auf größere Probleme nutzen.

Das wahrscheinlich bekannteste Beispiel dafür ist wohl, dass Van Halen vertraglich festhalten ließ, dass Konzertveranstalter:innen bitte M&Ms, allerdings auf gar keinen Fall braune, bereitstellen sollten. Das hatte nur weniger mit der Exzentrik der Band-Mitglieder zu tun, als mit einem ganz praktischen Hintergrund: Die Band hatte so eine einfache und schnelle Möglichkeit, schon am Buffet zu überprüfen, ob die Konzertveranstalter:innen den Details im Vertrag Aufmerksamkeit geschenkt hatten. Und wenn sie braune M&Ms vorfand, dann wusste sie, dass sie ihr anspruchsvolles Bühnen-Setup gründlich überprüfen müsste.

Die Idee von diesem „braune-M&Ms-Prinzip“ ist es, dass es uns ermöglicht, sehr leicht Dinge, wie Menschen und Veranstaltungen, aber auch Produkte und Dienstleistungen zu beurteilen — basierend auf Kriterien, die für uns leicht nachzuvollziehen sind. Wir können uns also fragen, was unsere „braunen M&Ms“ sind, und sie entsprechend an unsere Anforderungen anpassen.3

Was allerdings genauso wichtig ist, ist zu verstehen, dass andere Menschen, ob bewusst oder unbewusst, ebenfalls ihre „braunen M&Ms“ haben, um uns zu bewerten, und wir das in unserer Liebe zum Detail entsprechend berücksichtigen.


  1. ÜBERSCHRIFTEN № 62
  2. ÜBERSCHRIFTEN № 545
  3. Während wir sicherstellen, dass sie nur einen Teil unseres Urteils und unserer Entscheidungsfindung ausmachen.